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Torstens "Traumschifftörn" mit der Søde Pige in die Ostsee (Etappe 1+2)
von Peter
Nun, vielleicht etwas übertrieben dieses Intro. Für mich war es aber fast so, da ich mit meinem Boot „Søde Pige“, einer Luffe 37, bisher keine derartig langen Reisen unternommen habe. Ich bin Torsten Staffeldt, 63 Jahre und seit einigen Jahren Segler bei Lollipop. Da ich ab 2026 weniger arbeiten muss, konnte ich zwei Monate am Stück segeln.
Die Etappen waren: 1. Mai Start in Wilhelmshaven, Cuxhaven, Kiel Kanal, Dänemark Kleiner Belt und nördlich Fünen, Westküste Schweden, Norwegen Oslofjord bis Oslo und über Schweden und Dänemark (Großer Belt) zurück über den Kiel Kanal am 22. Juni nach Hooksiel.
Von diesen Strecken wurden einige Einhand, andere mit Mitseglern, die sich bei Hand-gegen-Koje.de angemeldet hatten, absolviert. Es wurde fast nur bei Tageslicht gesegelt. Das bedeutet in den hohen Breiten zum Spätfrühling aber auch 22 bis 23 Uhr.
Dieser Bericht ist in drei Teile gegliedert, die nach und nach fertiggestellt werden. Die drei Etappen sind:
1: Start bis Göteborg.
2: Göteborg bis Oslo und zurück bis Gullholmen (Schweden).
3. Gullholmen bis Hooksiel.
1. Start bis Göteborg
Strahlender Sonnenschein, gutes Wetter. Birgit, meine Mitseglerin, und ich machen uns am ersten Mai auf den Weg von der Marina Cramer in Wilhelmshaven nach Cuxhaven. Am Boot habe ich den Winter über gearbeitet, zusätzliche Batterien und vieles andere. Wir starten also und kommen bis zur Kaiser-Wilhelm Brücke, bei der wir uns angemeldet hatten. Motoraussetzer! Neu Start. Läuft ein bißchen, wieder aus. Aus der guten Stimmung wird schnell Hektik mit panischen Anflügen. Entscheidung abzubrechen, zurück zur Marina. Das klappt auch mit mehreren Aussetzern und „Hinhungern“ an den Steg. Motor gecheckt, Vermutung, dass Luft im System war. Mehrmals entlüftet, Schraubverbindungen nachgezogen, gestartet, läuft. Dann mit Tradiseglern durch die Brücke und Schleuse auf die Jade. Motor läuft. Segel setzen, Motor aus, ab nach Cuxhaven. Wegen der Verzögerung passt die Tidenplanung aber nicht mehr, die auf der Elbe essentiell ist. Dazu kommt noch, das abends gegen 21 Uhr der Wind einschläft, der vorher aus SO bis S ganz komfortabel blies.
Motor an, gegen Mitternacht in Cux bei der Seglervereinigung. Birgit fährt am nächsten Tag nach Hause, ich starte Einhand am 2. Mai gegen 10 Uhr und will mit der Flut bis Brunsbüttel durchrutschen. Nach einer halben Stunde auf der Elbe: Motor aus, nicht wieder zu starten. Wind und Strom treiben mich auf den Medem Grund. Dort ankere ich und probiere alles Mögliche um den Motor wieder zu starten. Klappt nicht. Rufe die Seenotretter telefonisch, die mich mit dem Tochterboot „Emmi“ nach Cux zurückschleppen. Danke nochmal dafür! In Cuxhaven dann genauere Diagnose.
DIESELPEST! Vorfilter total dicht. Es ist Sonnabend nachmittag. Kein Filter mehr zu bekommen. Ich entscheide mich, am Sonntag nach Bremen zu fahren, am Montag bei SVB mehrere Vor- und Feinfilter zu kaufen und mit dem Zug nach Cux zurückzufahren. Klappt auch. Filterwechsel, Start, Motor schnurrt. Die Tidenplanung ist natürlich für die Katz und die Mitsegler, die in Kiel zusteigen wollen, sind auch schon ziemlich aufgeregt.
Am Dienstag 5. Mai gegen 0:30 gehts dann mit der Flut unter Motor die Elbe hoch. Brunsbüttel lässt mich um 4 Uhr in die Große Nord mit der Berufsschifffahrt. Das klappt hervorragend. Dank an die Kollegen (ich arbeite beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt). Auslaufen als erster, wegen des Schraubenwassers, ich bin auf dem Kielkanal und melde mich per SMS bei den Mitseglern, dass Sie am Folgetag in Kiel zusteigen können. Aber wie es der Teufel will, etwa eine halbe Seemeile nach der Schleuse – Motorausfall. Mit Restfahrt rette ich mich an die Seite einer festgemachten Arbeitsfähre und mach dort fest. Filterwechsel, der war schon wieder voll. DIESELPEST! Kann doch nicht angehen, denke ich mir. Danach dann weiter Richtung Kiel unter Motor. Ich bin total nervös. Jede minimale Veränderung der Motorgeräusche durch Kopfdrehen, andere Position an Bord, Strömung oder Wind bringen meinen Blutdruck hoch. Aber es geht alles gut. Ich komme ohne Probleme nach Kiel und kriege die Nordschleuse komplett alleine für mich, brauch nicht mal festmachen. Ob es daran liegt, dass ich mich per Funk als Kollege aus Wilhelmshaven zu erkennen gegeben habe? War auf jeden Fall die beste Schleusung die ich je erlebt habe. Auch nochmal Danke an die Kollegen. Gegen 16 Uhr bin ich in der Marina Stickenhörn in Kiel fest. Bin wieder im Zeitplan.
Mittwoch 6. Mai. Jetzt gehts richtig los. Hans-Christian und Sybille steigen zu. Beide haben mein Inserat bei Hand-gegen-Koje gefunden und nachdem wir uns telefonisch, per Mail und dann über die die von mir angelegte Signal-Gruppe gefunden, kennengelernt und ausgetauscht haben, geht der erste Schlag nach Marstal in Dänemark. Keine Tide zu beachten! Ist eben eine andere Welt, die Ostsee.
Es wird recht spät, 18 Uhr laufen wir aus und der vorhergesagte Wind und die Wellen sind stärker als gedacht, so dass wir neben der High Aspect, einem bereits verkleinertem Vorsegel, das erste Reff beim Groß einlegen um die Krängung zu verringern.
„Søde Pige“ hat eine Länge von 11,18m (37 Fuß) und (nur) eine Breite von 2,75m bei einem Tiefgang von 1,65m. Lang und schmal, tolle Segeleigenschaften und schnell. Aber Sie legt sich fix „auf die Backe“, bei 15 bis 20 Grad stabil. Frühes Reffen bei stärkerem Wind wird durch mehr Geschwindigkeit und weniger Lage belohnt. Gegen Mitternacht sind wir fest in Marstal. Es ist Vorsaison. Überhaupt kein Problem einen Liegeplatz zu finden, aber manche Sanitäranlagen sind noch nicht in Betrieb. Der Folgetag ist für den Besuch des Marstaler Søfartsmuseum und Einkäufe geplant. Ersteres kann ich sehr empfehlen. Nach dem Erscheinen des Romans „Wir Ertrunkenen“ sind Marstal und das Museum voll auf das Buch eingestiegen.
Freitag den 8. Mai gehts weiter. Statt der geplanten Strecke westlich Ærø geht es dank Hans-Christians Tip östlich durch das Fahrwasser an Birkholm vorbei nach Lyø. Auf dem Weg können wir MOB-Manöver üben und sehen die ersten Schweinswale. Nachmittags sind wir dann bereits auf der kleinen Insel Lyø fest. Auch hier: noch nichts los, viele freie Liegeplätze. Lyø ist wie immer idyllisch und relaxed.
Am Folgetag fahren wir durch den Årosund/Lillebælt in die große, südlich Middelfart gelegene Marina Middelfart. Diese ist gut ausgestattet. Bei früher Anmeldung kann man dort sogar saunieren. Wir hatten wenig Wind, schöne Sonne und die Begleitung einer Gruppe von Schweinswalen, die unsere „Bugwelle“ zum Surfen nutzten. Am Sonntag verlassen Sybille und Hans-Christian „Søde Pige“ und mich.
Einen langen Spaziergang (Lillebæltstien) und Einkäufe erledige ich noch, bevor es am Montag 11. Mai alleine weitergeht. Um 9 wird gestartet, Groß und High Aspect sind gesetzt, der Motor läuft mit und der „Kegel der Schande“ ist natürlich gesetzt. Im Lillebælt erwarten mich nach Süd setzende Strömungen und aus Nord/Nordost kommende Winde. Alles gegen mich. Egal. Ich kämpfe mich durch und fange hinter Strib am Ausgang des Lillebælt ohne Motor an zu kreuzen. Es wird ein langer Tag der am Ende mit Regen belohnt wird. Ursprünglich wollte ich nach Ballen auf Samsø. Das schenke ich mir nach 54 gesegelten Meilen und gehe südlich Samsø vor Anker in der Lushavn Bucht (Lus = Laus). Ein wunderschöner Sonnenuntergang hinter dem Leuchtturm Vesborg entschädigt mich.
Und der nächste Tag, 12. Mai auch. Ein langer Schlag nach dem Ankeraufgehen (alles per Hand, keine Ankerwinde) bis Sjællands Odde. Dort kürze ich ab indem durchs Snekkeløb (frei übersetzt: Schneckenlauf) gesegelt wird. Ist eng, aber bei guter Sicht unproblematisch, da betonnt. So spare ich den Weg um den Turm Sjællands Rev N und bin kurz danach bereits am Ziel der Tagesetappe, Odden Havn. Ein kleiner Hafen mit den üblichen WoMo Plätzen und der nötigen Infrastruktur. Es steht immer noch etwas unangenehmer Nordschwell.
Danach gehts unter Segeln nach Hundested am Eingang zum Isefjord. Alles gut, aber aus der Erfahrung klug geworden, starte ich den Motor noch bevor ich in der Einfahrt stehe. Tatsächlich, nach kurzer Zeit wieder Motoraussetzer. Inzwischen fast schon Filterwechselprofi geworden, wird der Vorfilter in 15 Minuten auf See gewechselt. Der „Eiserne Heinrich“, mein Pinnenpilot von Raymarine , hält mich auf Kurs. Hundested ist eine nette Stadt, etwas enge Einfahrt in den inneren Hafen, aber man liegt dort ruhig und geschützt, die Preise sind OK und es gibt eine Waschmaschine. Wurde Zeit ;-) In Hundested hat auch fast jeder einen Hund. Nomen est Omen.
Von Hundested aus geht es am 14. Mai geplant nach Mölle in Schweden, etwas südlich der Spitze bei Kullen, die ich eigentlich besuchen wollte. Also raus, Aufschießer mit „Heinrich“, gesetzt Groß 100% und High Aspect und dann geht es mit angenehmen Schiebewind Sjælland Nordostküste hoch. Nördlich Gilleleje beim Eingang zum Sund sehe ich hinter mir eine dunkle Wolke aus SW kommend. Denke mir nichts dabei. Segel weiter – Squall Line kommt näher – und näher. Ich denke, wird wohl gleich ein bisschen regnen und denke mir weiter nichts dabei. Und dann packt mich der Wind ! Habe dummerweise nichts vorher gerefft und rausche nun mit ordentlich Wind mit 9 – 10 Knoten auf angepasstem Kurs und voll aufgefierter Großschot und lockeren Vorschoten durch den Sund. Gottseidank keine Großschiffahrt in der Nähe. Rückblickend betrachtet war es toll. Aber in der Situation habe ich mich nicht wohl gefühlt. Nach einer guten halben Stunde war der Spuk vorbei und der Kurs nach Norden wieder eingeschlagen. Aber mein Tagesziel Mölle in Schweden kann ich vergessen. Wie im Hafenhandbuch beschrieben steht bei SW eine schwere See in der Einfahrt. Überhaupt hat sich eine ordentliche Welle aufgebaut, die mich dazu veranlasst, in die Bucht Skälderviken nördlich Kullen einzufahren und Landschutz zu suchen. Neues Ziel ist Arild, ein kleiner Hafen dort. Dort angekommen stelle ich fest, dass in der Einfahrt steht: „Maximale Länge 35 ft.“
„Søde Pige“ ist zu groß oder der Hafen zu klein. Ich schmeiße Anker auf der 5m Linie und bin froh diesen Tag geschafft zu haben. Ein schöner Sonnenuntergang und leider zu viel Schwell beschließen den Tag.
Nur einen kurzen Schlag die schwedische Westküste hoch nach Torekov geht es am 15. Mai. Ich mache an den Dalben der Nordwestpier fest. Die Boxen sind offensichtlich für deutlich längere Boote gebaut, da ich meine beiden Achterleinen verlängern muss. Dafür ist es vorne dann aber flach. Zum Glück hilft mir ein deutscher Einhandsegler beim Festmachen. Torekov ist ein angenehmer Hafen mit Tourismus da die Insel Hallands Väderö von dort mit Fähren besucht werden kann. Dusche, Waschmaschinen und Trockner sind im Hafenpreis enthalten und auch ein Rema 1000 Markt ist fußläufig erreichbar. Schließlich sei noch das kleine Seefahrtsmuseum erwähnt das im Freigelände aufgebaut ist.
Von Anholt habe ich schon vieles gehört, dass es eine sehr schöne Insel sei und im Sommer sehr voll. Den nächsten Tag segle ich daher wieder nach Dänemark Kurs NW. Lingby Radio strahlt eine Gale-Warnung aus, die, wie ich dann feststelle, berechtigt ist. Ein langer (50 sm) harter (Wellenhöhe 2 m und mehr) und nasser Ritt, den ich Einhand meistere. In der Hoffnung auf Wind- und Wellenschutz passiere ich die Ostecke beim Leuchtturm Anholt. Viel Schutz gibts nicht. Da der Wind auf der Nordseite gegenan kommt, starte ich den Motor der – wer hätte es gedacht – kurz danach wieder den Geist aufgibt. Ankern und Motor checken. Der Filter wars diesmal nicht, sondern sogar davor, im Absperrventil hatte sich die PEST breit gemacht. Nachdem das erledigt war ging es nach Anholt rein, wo so früh in der Saison sogar längsseits festgemacht werden kann. Ich bin durch den anstrengenden Tag und den Motorärger erschöpft und beschließe den nächsten Tag, Sonntag 17. Mai, zum Aufklaren und Relaxen zu nutzen.
Zur DIESELPEST! Meine Diagnose lautet, dass durch die Schiffsbewegungen alle Sedimente oder auch an den Tankwänden haftende Rückstände sich gelöst haben und in der Schwebe sind, und wenn der Motor dann gestartet wird, angesaugt werden. Der Entschluss steht fest: bei nächster Gelegenheit wird der komplette Diesel abgesaugt und entsorgt.
Anholt ist eine sehr schöne Insel, auch ohne den Wal Timmy, der ungefähr zu der Zeit dort strandete, als ich da war. Im Osten ist es sehr sandig, wüstenähnlich. Der Westen ist höher und ordentlich bewaldet. Schön zu spazieren. Das eigentliche Dorf mit Markt (Brugsen) ist etwas vom Hafen entfernt. Die Strände sind karibisch, wenn man die Temperaturen nicht berücksichtigt. In der Mitte zwischen Dänemark und Schweden gelegen immer ein lohnendes Ziel im Kattegat.
Montag 18. Mai geht es wieder auf die schwedische Seite nach Varberg. Ein unspektakulärer Törn von 37 sm, keine Motorprobleme und Hilfe beim Anlegen durch Jörg, den ich mit seiner Najad bereits auf Anholt kennenlernte. Da Varberg über Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten verfügt pumpe ich den 35l fassenden Dieseltank ab und entsorge den Diesel. Wie nicht anders zu erwarten, waren auch dort wieder Reste der DIESELPEST dabei. Die Besichtigung der Burg in Varberg lohnt sich.
Als Zwischenetappe nach Göteborg habe ich mir eine Ankerbucht gesucht und bin auf Landabukten gestoßen. Nordwärts gehend von Varberg kommend passiert man das Atomkraftwerk Ringhals und kann sich bis ins Innere der Bucht vortasten. Die Wassertiefen sind bei der Passage nördlich Ustö, Brattö, Nordsten Kidholm und Almö gut, man kann auch etwas abkürzen und südlich Knarrskär und Vendelsö fahren. Mir war das zu flach, ich hatte zu dem Zeitpunkt ja noch keine Erfahrung mit den Schären. Die Ankerbucht bei Espenäsudde ist erreichbar, auch wenn das Schild Ankerverbot erst irritiert. Das Ankerverbot bezieht sich auf die durch die Bucht verlegte Leitung, etwas nördlich davon unproblematisch. Man liegt bei SO gut geschützt.
Der nächste Schlag bringt „Søde Pige“ und mich dann nach Göteborg. Der achterliche SO schiebt uns die Küste hoch. Bereits aus sehr großer Entfernung ist das Hochhaus von Göteborg zu sehen. In der Einfahrt ab dem Turm Trubaduren gibt es dann mehr Verkehr und Großschifffahrt. Vor der Alvsborgbrücke sollen die Segel heruntergenommen werden, was einem Schild am Ufer entnommen werden kann. Hoch gehts unter Motor zum Stadthafen „Lilla Bommen“, der in der Nähe der Oper kurz vor der Brücke zum Götakanal liegt. Mitten in der Stadt. Laut, viele Menschen, ganz schmale Fingerstege zum Festmachen, Internet Platzbuchung nach der alle Plätze reserviert sind. Das stimmt aber nicht. Den Hafen kann ich nicht empfehlen. Ist wohl eher etwas für Partycrews die Großstadtfeeling wollen. Die erste Etappe ist damit durch,
Fortsetzung folgt.
2. Etappe: Göteborg bis Oslo und zurück bis Gullholmen (Schweden).
Weiter gehts. Birgit, die bereits von Wilhelmshaven nach Cuxhaven mitfuhr, steigt am 21 Mai in Göteborg zu. Schön, wieder jemand an Bord dabei zu haben. Wir gehen Essen und kaufen für die Folgetage ein. Schweden ist ja noch – relativ – günstig.
In Göteborg beginnt (oder endet) der Götakanal, die erste Brücke liegt direkt neben dem Seglerhafen „Lilla Bommen“ hinter dem Viermastvollschiff „Viking“. Auf dem Götakanal kann man von Stockholm nach Göteborg oder andersrum fahren.
Ohne die Dänen würde es den etwa 200 Jahre alten Göta-Kanal nicht geben. Damals waren die Zölle, zum Passieren der Wasserwege im Dänischen Gebiet sehr hoch, weshalb die Schweden im Jahre 1810 begannen, den Kanal zu bauen. Der Kanal ist vom 2. Mai bis 28. September geöffnet. Die maximalen Bootsmaße betragen: 30m Länge, 7m Breite, 22m Höhe und 2,80m Tiefgang. Die Kosten sind abhängig von der Saison, der Länge der Strecke und der Schiffsgröße. Beinhaltet sind 5 Übernachtungen pro Yachthafen auf der gewählten Strecke, Service im Yachthafen (Toilette, Dusche, Waschraum), Strom im Yachthafen (je nach Zugang) und Frischwasser. Wenn man viel Zeit hat und die Sehenswürdigkeiten genießen möchte, sind die Gesamtkosten konkurrenzlos günstig, wie mir von Seglern berichtet wurde (https://www.gotakanal.se/de). Ich speichere den Kanal als mögliches Ziel für weitere Fahrten ab.
Nun, für uns soll es aber weiter Richtung Norden gehen. Noch immer begleiten uns Sonnenschein und südliche Winde. Zuerst nach Westen unter Motor die Göta Älva, Segel setzen hinter der Brücke Alvsborgbron und dann durch den Nordkanal rausgekreuzt. Der Stora Kalvsund und Källofjord führen uns aus den Schären raus zum Tagesziel Marstrand. Dieser Hafen ist, obwohl als Zentrum des schwedischen Segelsports an der Westküste beschrieben, ebenfalls noch recht leer. Kein Problem einen Platz zu finden. Das Dorf ist sehenswert, die oberhalb an der Spitze in Stein verankerte Festung „Carlstens Fästning“ erst recht. Auch diese lässt sich bereits aus weiter Entfernung gut sehen, die urmspitze liegt 98m über Meer. Beeindruckend und schwer vorstellbar, wie der Bau ohne heutige Technik im 17ten Jahrhundert begonnen wurde.
Auf der Nordseite durch den Marstrandsundet, vorbei an typisch schwedischen hübschen Holzhäusern geht es für einen kurzen Schlag nach Mollösund. Nur 15 Seemeilen, da die Wettervorhersage zur Vorsicht mahnt und danach ein langes freies Stück vor der Küste bewältigt werden soll. In Mollösund wird mit Heckleinen festgemacht. Dies ist zu Saisonbeginn meist nicht so schön, da die Leinen im Winter und Frühjahr nicht genutzt auf dem Grund liegen und man dann zu den ersten gehören kann, die den Schmodder hochziehen müssen. Aber was solls, bevor die durchziehende Kaltfront mit ordentlich Wind und Regen uns überfallen konnte waren wir fest.
Pfingstsonntag, den 24 Mai, gings weiter bis kurz vor Norwegen. Achterliche Winde, See und Strom schieben uns die gut 60 Seemeilen weite Strecke bis nach Syd Koster hoch nach Norden. Bei 5 Windstärken und 6 in Böen ein ziemlich unruhiges Fahren, das auch seinen Tribut forderte. Einige Seen die überkamen erfrischten nicht nur. Eigentlich wollten wir in Ekenäs auf der Ostseite der Insel Syd Koster anlegen. Keine Chance. Der Hafen war gerappelt voll mit Norwegern die die Pfingsttage im günstigeren (und weniger alkoholrestriktiverem) Schweden verbringen. Also ein Stückchen zurück in die Kilesandbukten in Kosterhamnen wo bereits einige andere Boote ankern. Wir finden einen Platz und werden von auf Deck tanzenden jungen Leuten mit wummernden Beats aus der Ferne begrüßt. „Helgenfylle“ nennen Norweger dies, übersetzt „Wochenendbetrunken“.
Pfingstmontag soll es dann endlich nach Norwegen gehen, mit einem kurzen Einkaufsabstecher nach Strömstad in Schweden. Denn in Schweden ist der Pfingstmontag kein Feiertag, in Norwegen schon. Gut 5 Seemeilen unter Motor nach Strömstad bringen uns in einen freundlichen, sonnenbeschienenen Hafen mit guten Einkaufsmöglichkeiten und vielen Touristen. Da wir nur kurz festmachen haben wir auch keine Probleme einen Liegeplatz zu finden. Längere Liegezeiten sollten reserviert werden, denn die Norweger fallen im Grenzgebiet regelmäßig in Schweden ein. Dann geht es für uns endlich nach Norwegen, Land der Fjorde und Trolle. Ein kurzer Schlag von 20 Seemeilen, meist unter Segeln mit dem eingebundenen zweitem Reff, bringt uns zwischen Asmalöv und Kirköy die Østerelva zur Insel Kråkeröy bei Fredrikstad. Auf der Østerelva steht ein starker südgehender Strom. Geleitet wird man von einem Feuer an der Kirchturmspitze (Oc W 6s) das weit in die Østerelva leuchtet. Da bekommt kirchlicher Beistand doch eine ganz andere Bedeutung.
Die Stadt hat alles was benötigt wird, Fähren mit entsprechender Kennzeichnung sind kostenlos und nördlich hinter der Klaffebro bei Bureskjær gibt es einen gutsortierten Bootsservicehandel. Wer möchte kann mit dem Zug nach Oslo fahren. Wer dies nicht möchte, wie wir, nimmt das Boot und folgt dem Oslofjord nach Norden.
Über den Skjærgarden Hvaler (Naturschutzgebiet) geht es nun in den südlichen Teil des Oslofjordes. Wir gehen wieder durch die Østerelva raus, ersparen uns also die Brückendurchfahrten durch Fredrikstad, biegen dann bei Kjøkøysundet über Steuerbord Richtung Westen ab und nach dem Durchfahren einiger Brücken und auch recht enger Schären sind wir im freien Wasser südlich des Leuchtturm Strømtangen im südöstlichen Teil des Oslofjordes.
Lange Kreuzschläge gegen den anfänglichen Nordwest, vorbei an Rauer (Militärgebiet) und Tønsberg bringen uns zum Westteil des Fjordes nach Horten. Zwischen der Insel Bastöy und dem Festland segeln wir an der Zentrale der norwegischen Rettungsgesellschaft (Redningsselskap) bei Borre/Horten vorbei. Im Gegensatz zur DGzRS kann man in Norwegen auch Mitglied des Vereins werden! Der Gästehafen in Horten ist gut erreichbar und auch noch recht leer. Man liegt in der Nähe der Fährverbindung nach Moss im Osten. Da dies die letzte Möglichkeit zur Querung des Fjordes ist, fahren die Fähren oft und es ist etwas unruhig im Hafen. Horten ist der Ursprungsort der norwegischen Marine, das Museum auf der Insel Karljohansvern ist eine Besichtigung oder einen Spaziergang wert (https://www.visitvestfold.com/no/horten/artikler/karljohansvern-vakker-rundtur-i-historiske-omgivelser).
Und weiter geht es am nächsten Tag auf der geschichtsträchtigen Strecke. Ziel ist Oscarsborg, waffenstarrend mitten im Fjord liegend, ist es eine ehemalige Festung die den Nordteil des Oslofjordes und besonders natürlich die Hauptstadt Oslo, ehemals Kristiania, vor Überfällen schützen konnte. Beim Überfall Nazi-Deutschlands auf Dänemark und Norwegen im Rahmen des Unternehmens „Weserübung“ ist dort, etwas nördlich von Oscarsborg, der schwere Kreuzer „Blücher“ versenkt worden.
Oscarsborg ist heute ein Geschichtsort der von vielen Norwegern, Schulklassen und Touristen besucht wird. Großkalibrige Geschütze, beeindruckende Festungsanlagen und weitverzweigte unterirdische Wege zeugen von der militärischen Herkunft. Selbst deutsche Bezeichnungen aus der Besetzungszeit ließen sich noch schwach erkennen. Ein Rundgang über die Insel fördert den Badeplatz des Kommandanten oder auch – sehr kommunikativ – ein Doppelplumpsklo zutage.
Übrigens, die Fähre vonDrøbak nach Oscarsborg wird immer noch von der Marine betrieben.
Am 29 Mai gehts von Oscarsborg weiter nach Oslo. Wir passieren den Kreuzer Blücher, der etwa 90m unter uns liegt, und wie angekündigt riecht man an dieser Stelle tatsächlich noch Öl (φ 59°41,901‘N λ 010°35,854’E). Bei schwachen achterlichen Winden geht es an der Insel Nesodden vorbei, der Wind kann zwischen den Inseln schlagartig zunehmen, wie wir beim Aufschießer merken. Wir sind am nördlichsten Punkt, fast 60° nördlicher Breite, und erfahren zum ersten Mal, das es nicht einfach ist einen Liegeplatz zu erhalten. Mit Glück und Dank der Aufmerksamkeit einer freundlichen Marina Mitarbeiterin kriegen wir einen Platz in der Marina „Aker Brygge“ im Herzen der Stadt.
Oslo, norwegisch ausgesprochen: „Uschluh“, ist quirlig, lebendig, am Wochenende nach Pfingsten voller Menschen aller Nationen, eine eigene Reise wert. Allein der Besuch der Museumsinsel Bygdøy mit dem Folksmuseum, dem Fram-Museum oder auch dem Seefahrtsmuseum kann Tage dauern.
Per Zufall entdeckte ich die National- und Universitätsbibliothek in der eine Ausstellung zu Welt- und Seekarten besichtigt werden kann. Sehr empfehlenswert und interessant wie Gelehrte sich früher die Welt vorgestellt haben.
Einige Tage verbrachten wir, unfreiwilligerweise, auch dort. Nach Crewwechsel, Birgit stieg am 31. Mai aus, Anja dafür ein, sollte es am 1. Juni wieder Richtung Süden gehen. Allein es fehlte der Propeller! Beim Starten von der Marina aus gab es keinen Schub mehr! Ich checkte Motor und Getriebe, läuft. Ab in die Badehose und einmal kurz unters Schiff geguckt, da war es klar. Die Schraube ist abgefallen. Muss nach dem Festmachen in der Marina oder beim Starten passiert sein. Ein schöner Dreiblatt-Faltpropeller von Volvo Penta. Im Winter noch eigenhändig von mir gewartet und wieder eingebaut – mit Sicherungsblech natürlich. An der Stelle ist der Fjord etwa 18m tief und nach Aussage des technischen Leiters der Marina etwa 1m verschlammt. So etwas kam schon häufiger vor, sagte er und verneinte die ins Auge gefasste Möglichkeit des Einsatzes eines Tauchers. Dieser hätte im übrigen auch einer Genehmigung bedurft. Und ich hatte meine Tauchausrüstung leider nicht dabei.
Nach einigen Überlegungen entscheiden wir uns von Killingen Båtservice hinter die Bygdøy abschleppen zu lassen und auf einen neuen Propeller zu warten. Søde Pige wird am 2 Juni kurz aus dem Wasser gekrant um die Anschlußgröße des Propellers festzustellen, Angebote werden eingeholt und am Donnerstag 4. Juni ist der neue Propeller eingebaut und es kann weitergehen. Über die Kosten dieser Aktion möchte ich nicht weiter schreiben. In der teuersten Stadt Norwegens eine solche Reparatur durchzuführen geht an die Reserven, aber welche Alternative hätte es gegeben? Dankbar sind wir auf jeden Fall für die schnelle und unkomplizierte Hilfe.
Die Rückreise begann, und der bisher freundliche südliche Wind zwingt, in Kombination mit Wetterverschlechterung, zu intensivem Segeln gegen den Wind. Das wird einige Zeit so weiter gehen. daher erreichen wir auf der ersten Etappe auch erst nur wieder Oscarsborg, 25 sm gesegelt aber nur 12 sm nach Süden vorangekommen. Die nächste Etappe von Oscarsborg zum Vallø Sjøsenteret auf der Höhe von Tønsberg ebenso. 50 Seemeilen gesegelt, 34 Wenden und nur 22 sm nach Süden gekommen. Dazu eine ausgeprägte Welle im südlichen Teil des Oslofjordes, Schauer und sinkende Temperaturen fordern uns ganz schön. In Vallø haben wir aber wieder Sonnenschein und genießen den Abend im Restaurant. Dort esse ich ein Walsteak, schmeckt leicht nach Leber.
Am Ausgang des Oslofjordes befindet sich das Ende der Welt: „Verdens End“ auf norwegisch. Das muss natürlich angefahren werden um zu sehen, ob dahinter das Wasser über die Klippe stürzt. Tat es nicht, aber ein schöner geschützter Hafen mit in den Felsen eingeschlagenen Sanitäranlagen und einem sehr gut besuchten Restaurant auf der Klippe erwartete uns. Interessant auch der Feuerkorb der früher Schiffen den Weg wies und als Vorläufer der Leuchttürme gilt.
Für die Fahrt durchs Skagerrak sind Leuchttürme ja auch wichtig. Noch wichtiger aber ist der richtige Wind, wie wir am nächsten Tag feststellen mussten. Wir starteten früh mit dem Ziel Skagen, eine Distanz von etwa 60 sm, die an einem Tag zu schaffen sein sollte. Wenn da nicht Wind und Strömung gegen stehen sollten. Beides war der Fall. Durch den langanhaltenden Wind aus südlichen Richtungen hat sich der ohnehin vor der Westküste Schwedens nach Norden setzende Strom noch verstärkt. Vor dem Oslofjord biegt dieser nach Westen ab. Wind- und Stromversatz führen in unserem Fall dazu, daß wir bei Wind von Steuerbord fast direkt Richtung Osten fahren, bei Wind von Backbord zwar südlich vorankommen, aber weit nach Westen versetzt werden. So werden wir Skagen nicht erreichen. Wir entscheiden daher gegen Mittag, den Motor zur Unterstützung mitlaufen zu lassen und uns nach Osten in die schwedischen Schären zu retten, in denen der auf See setzende Strom stark reduziert ist. Natürlich ist die Planung dann, wieder einmal, für die Katz. Und schliesslich reisst uns auch noch der Keilriemen, gut das ich Reserve dabei habe und schnell wechseln kann. Schlußendlich landen wir nach 52 sm in einer kleinen, ruhigen Ankerbucht bei Gluppö und beobachten viele Quallen um uns. Die Ausfahrt aus Glüppö ist dann echtes Schärenfahren. Eng und schmal.
Der nächste Tag führt nach Gullholmen, etwas südlicher durch die Schären bei der Insel Orust, Heimat der Najad Werft. Wir kreuzen wieder, diesmal gegen einen Südwest, die Schläge sind aber länger und der Wind anfänglich angenehme 3 Bft. Noch immer ist es unser Ziel bei günstigem Wind den Schlag nach Westen Richtung Dänemark zu machen, hat wieder nicht geklappt. Anja verlässt Søde Pige und mich am kommenden Tag um ihre Rückreise nach Deutschland noch hin zu kriegen und ich bin wieder Einhand unterwegs. Ein schönes Abschiedsgeschenk erhalte ich von Anja, die offenbar meine Vorlieben kennt.