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Torstens "Traumschifftörn" mit der Søde Pige in die Ostsee
von Peter
Nun, vielleicht etwas übertrieben dieses Intro. Für mich war es aber fast so, da ich mit meinem Boot „Søde Pige“, einer Luffe 37, bisher keine derartig langen Reisen unternommen habe. Ich bin Torsten Staffeldt, 63 Jahre und seit einigen Jahren Segler bei Lollipop. Da ich ab 2026 weniger arbeiten muss, konnte ich zwei Monate am Stück segeln.
Die Etappen waren: 1. Mai Start in Wilhelmshaven, Cuxhaven, Kiel Kanal, Dänemark Kleiner Belt und nördlich Fünen, Westküste Schweden, Norwegen Oslofjord bis Oslo und über Schweden und Dänemark (Großer Belt) zurück über den Kiel Kanal am 22. Juni nach Hooksiel.
Von diesen Strecken wurden einige Einhand, andere mit Mitseglern, die sich bei Hand-gegen-Koje.de angemeldet hatten, absolviert. Es wurde fast nur bei Tageslicht gesegelt. Das bedeutet in den hohen Breiten zum Spätfrühling aber auch 22 bis 23 Uhr.
Dieser Bericht ist in drei Teile gegliedert, die nach und nach fertiggestellt werden. Die drei Etappen sind:
1: Start bis Göteborg.
2: Göteborg bis Oslo und zurück bis Gullholmen (Schweden).
3. Gullholmen bis Hooksiel.
1. Start bis Göteborg
Strahlender Sonnenschein, gutes Wetter. Birgit, meine Mitseglerin, und ich machen uns am ersten Mai auf den Weg von der Marina Cramer in Wilhelmshaven nach Cuxhaven. Am Boot habe ich den Winter über gearbeitet, zusätzliche Batterien und vieles andere. Wir starten also und kommen bis zur Kaiser-Wilhelm Brücke, bei der wir uns angemeldet hatten. Motoraussetzer! Neu Start. Läuft ein bißchen, wieder aus. Aus der guten Stimmung wird schnell Hektik mit panischen Anflügen. Entscheidung abzubrechen, zurück zur Marina. Das klappt auch mit mehreren Aussetzern und „Hinhungern“ an den Steg. Motor gecheckt, Vermutung, dass Luft im System war. Mehrmals entlüftet, Schraubverbindungen nachgezogen, gestartet, läuft. Dann mit Tradiseglern durch die Brücke und Schleuse auf die Jade. Motor läuft. Segel setzen, Motor aus, ab nach Cuxhaven. Wegen der Verzögerung passt die Tidenplanung aber nicht mehr, die auf der Elbe essentiell ist. Dazu kommt noch, das abends gegen 21 Uhr der Wind einschläft, der vorher aus SO bis S ganz komfortabel blies.
Motor an, gegen Mitternacht in Cux bei der Seglervereinigung. Birgit fährt am nächsten Tag nach Hause, ich starte Einhand am 2. Mai gegen 10 Uhr und will mit der Flut bis Brunsbüttel durchrutschen. Nach einer halben Stunde auf der Elbe: Motor aus, nicht wieder zu starten. Wind und Strom treiben mich auf den Medem Grund. Dort ankere ich und probiere alles Mögliche um den Motor wieder zu starten. Klappt nicht. Rufe die Seenotretter telefonisch, die mich mit dem Tochterboot „Emmi“ nach Cux zurückschleppen. Danke nochmal dafür! In Cuxhaven dann genauere Diagnose.
DIESELPEST! Vorfilter total dicht. Es ist Sonnabend nachmittag. Kein Filter mehr zu bekommen. Ich entscheide mich, am Sonntag nach Bremen zu fahren, am Montag bei SVB mehrere Vor- und Feinfilter zu kaufen und mit dem Zug nach Cux zurückzufahren. Klappt auch. Filterwechsel, Start, Motor schnurrt. Die Tidenplanung ist natürlich für die Katz und die Mitsegler, die in Kiel zusteigen wollen, sind auch schon ziemlich aufgeregt.
Am Dienstag 5. Mai gegen 0:30 gehts dann mit der Flut unter Motor die Elbe hoch. Brunsbüttel lässt mich um 4 Uhr in die Große Nord mit der Berufsschifffahrt. Das klappt hervorragend. Dank an die Kollegen (ich arbeite beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt). Auslaufen als erster, wegen des Schraubenwassers, ich bin auf dem Kielkanal und melde mich per SMS bei den Mitseglern, dass Sie am Folgetag in Kiel zusteigen können. Aber wie es der Teufel will, etwa eine halbe Seemeile nach der Schleuse – Motorausfall. Mit Restfahrt rette ich mich an die Seite einer festgemachten Arbeitsfähre und mach dort fest. Filterwechsel, der war schon wieder voll. DIESELPEST! Kann doch nicht angehen, denke ich mir. Danach dann weiter Richtung Kiel unter Motor. Ich bin total nervös. Jede minimale Veränderung der Motorgeräusche durch Kopfdrehen, andere Position an Bord, Strömung oder Wind bringen meinen Blutdruck hoch. Aber es geht alles gut. Ich komme ohne Probleme nach Kiel und kriege die Nordschleuse komplett alleine für mich, brauch nicht mal festmachen. Ob es daran liegt, dass ich mich per Funk als Kollege aus Wilhelmshaven zu erkennen gegeben habe? War auf jeden Fall die beste Schleusung die ich je erlebt habe. Auch nochmal Danke an die Kollegen. Gegen 16 Uhr bin ich in der Marina Stickenhörn in Kiel fest. Bin wieder im Zeitplan.
Mittwoch 6. Mai. Jetzt gehts richtig los. Hans-Christian und Sybille steigen zu. Beide haben mein Inserat bei Hand-gegen-Koje gefunden und nachdem wir uns telefonisch, per Mail und dann über die die von mir angelegte Signal-Gruppe gefunden, kennengelernt und ausgetauscht haben, geht der erste Schlag nach Marstal in Dänemark. Keine Tide zu beachten! Ist eben eine andere Welt, die Ostsee.
Es wird recht spät, 18 Uhr laufen wir aus und der vorhergesagte Wind und die Wellen sind stärker als gedacht, so dass wir neben der High Aspect, einem bereits verkleinertem Vorsegel, das erste Reff beim Groß einlegen um die Krängung zu verringern.
„Søde Pige“ hat eine Länge von 11,18m (37 Fuß) und (nur) eine Breite von 2,75m bei einem Tiefgang von 1,65m. Lang und schmal, tolle Segeleigenschaften und schnell. Aber Sie legt sich fix „auf die Backe“, bei 15 bis 20 Grad stabil. Frühes Reffen bei stärkerem Wind wird durch mehr Geschwindigkeit und weniger Lage belohnt. Gegen Mitternacht sind wir fest in Marstal. Es ist Vorsaison. Überhaupt kein Problem einen Liegeplatz zu finden, aber manche Sanitäranlagen sind noch nicht in Betrieb. Der Folgetag ist für den Besuch des Marstaler Søfartsmuseum und Einkäufe geplant. Ersteres kann ich sehr empfehlen. Nach dem Erscheinen des Romans „Wir Ertrunkenen“ sind Marstal und das Museum voll auf das Buch eingestiegen.
Freitag den 8. Mai gehts weiter. Statt der geplanten Strecke westlich Ærø geht es dank Hans-Christians Tip östlich durch das Fahrwasser an Birkholm vorbei nach Lyø. Auf dem Weg können wir MOB-Manöver üben und sehen die ersten Schweinswale. Nachmittags sind wir dann bereits auf der kleinen Insel Lyø fest. Auch hier: noch nichts los, viele freie Liegeplätze. Lyø ist wie immer idyllisch und relaxed.
Am Folgetag fahren wir durch den Årosund/Lillebælt in die große, südlich Middelfart gelegene Marina Middelfart. Diese ist gut ausgestattet. Bei früher Anmeldung kann man dort sogar saunieren. Wir hatten wenig Wind, schöne Sonne und die Begleitung einer Gruppe von Schweinswalen, die unsere „Bugwelle“ zum Surfen nutzten. Am Sonntag verlassen Sybille und Hans-Christian „Søde Pige“ und mich.
Einen langen Spaziergang (Lillebæltstien) und Einkäufe erledige ich noch, bevor es am Montag 11. Mai alleine weitergeht. Um 9 wird gestartet, Groß und High Aspect sind gesetzt, der Motor läuft mit und der „Kegel der Schande“ ist natürlich gesetzt. Im Lillebælt erwarten mich nach Süd setzende Strömungen und aus Nord/Nordost kommende Winde. Alles gegen mich. Egal. Ich kämpfe mich durch und fange hinter Strib am Ausgang des Lillebælt ohne Motor an zu kreuzen. Es wird ein langer Tag der am Ende mit Regen belohnt wird. Ursprünglich wollte ich nach Ballen auf Samsø. Das schenke ich mir nach 54 gesegelten Meilen und gehe südlich Samsø vor Anker in der Lushavn Bucht (Lus = Laus). Ein wunderschöner Sonnenuntergang hinter dem Leuchtturm Vesborg entschädigt mich.
Und der nächste Tag, 12. Mai auch. Ein langer Schlag nach dem Ankeraufgehen (alles per Hand, keine Ankerwinde) bis Sjællands Odde. Dort kürze ich ab indem durchs Snekkeløb (frei übersetzt: Schneckenlauf) gesegelt wird. Ist eng, aber bei guter Sicht unproblematisch, da betonnt. So spare ich den Weg um den Turm Sjællands Rev N und bin kurz danach bereits am Ziel der Tagesetappe, Odden Havn. Ein kleiner Hafen mit den üblichen WoMo Plätzen und der nötigen Infrastruktur. Es steht immer noch etwas unangenehmer Nordschwell.
Danach gehts unter Segeln nach Hundested am Eingang zum Isefjord. Alles gut, aber aus der Erfahrung klug geworden, starte ich den Motor noch bevor ich in der Einfahrt stehe. Tatsächlich, nach kurzer Zeit wieder Motoraussetzer. Inzwischen fast schon Filterwechselprofi geworden, wird der Vorfilter in 15 Minuten auf See gewechselt. Der „Eiserne Heinrich“, mein Pinnenpilot von Raymarine , hält mich auf Kurs. Hundested ist eine nette Stadt, etwas enge Einfahrt in den inneren Hafen, aber man liegt dort ruhig und geschützt, die Preise sind OK und es gibt eine Waschmaschine. Wurde Zeit ;-) In Hundested hat auch fast jeder einen Hund. Nomen est Omen.
Von Hundested aus geht es am 14. Mai geplant nach Mölle in Schweden, etwas südlich der Spitze bei Kullen, die ich eigentlich besuchen wollte. Also raus, Aufschießer mit „Heinrich“, gesetzt Groß 100% und High Aspect und dann geht es mit angenehmen Schiebewind Sjælland Nordostküste hoch. Nördlich Gilleleje beim Eingang zum Sund sehe ich hinter mir eine dunkle Wolke aus SW kommend. Denke mir nichts dabei. Segel weiter – Squall Line kommt näher – und näher. Ich denke, wird wohl gleich ein bisschen regnen und denke mir weiter nichts dabei. Und dann packt mich der Wind ! Habe dummerweise nichts vorher gerefft und rausche nun mit ordentlich Wind mit 9 – 10 Knoten auf angepasstem Kurs und voll aufgefierter Großschot und lockeren Vorschoten durch den Sund. Gottseidank keine Großschiffahrt in der Nähe. Rückblickend betrachtet war es toll. Aber in der Situation habe ich mich nicht wohl gefühlt. Nach einer guten halben Stunde war der Spuk vorbei und der Kurs nach Norden wieder eingeschlagen. Aber mein Tagesziel Mölle in Schweden kann ich vergessen. Wie im Hafenhandbuch beschrieben steht bei SW eine schwere See in der Einfahrt. Überhaupt hat sich eine ordentliche Welle aufgebaut, die mich dazu veranlasst, in die Bucht Skälderviken nördlich Kullen einzufahren und Landschutz zu suchen. Neues Ziel ist Arild, ein kleiner Hafen dort. Dort angekommen stelle ich fest, dass in der Einfahrt steht: „Maximale Länge 35 ft.“
„Søde Pige“ ist zu groß oder der Hafen zu klein. Ich schmeiße Anker auf der 5m Linie und bin froh diesen Tag geschafft zu haben. Ein schöner Sonnenuntergang und leider zu viel Schwell beschließen den Tag.
Nur einen kurzen Schlag die schwedische Westküste hoch nach Torekov geht es am 15. Mai. Ich mache an den Dalben der Nordwestpier fest. Die Boxen sind offensichtlich für deutlich längere Boote gebaut, da ich meine beiden Achterleinen verlängern muss. Dafür ist es vorne dann aber flach. Zum Glück hilft mir ein deutscher Einhandsegler beim Festmachen. Torekov ist ein angenehmer Hafen mit Tourismus da die Insel Hallands Väderö von dort mit Fähren besucht werden kann. Dusche, Waschmaschinen und Trockner sind im Hafenpreis enthalten und auch ein Rema 1000 Markt ist fußläufig erreichbar. Schließlich sei noch das kleine Seefahrtsmuseum erwähnt das im Freigelände aufgebaut ist.
Von Anholt habe ich schon vieles gehört, dass es eine sehr schöne Insel sei und im Sommer sehr voll. Den nächsten Tag segle ich daher wieder nach Dänemark Kurs NW. Lingby Radio strahlt eine Gale-Warnung aus, die, wie ich dann feststelle, berechtigt ist. Ein langer (50 sm) harter (Wellenhöhe 2 m und mehr) und nasser Ritt, den ich Einhand meistere. In der Hoffnung auf Wind- und Wellenschutz passiere ich die Ostecke beim Leuchtturm Anholt. Viel Schutz gibts nicht. Da der Wind auf der Nordseite gegenan kommt, starte ich den Motor der – wer hätte es gedacht – kurz danach wieder den Geist aufgibt. Ankern und Motor checken. Der Filter wars diesmal nicht, sondern sogar davor, im Absperrventil hatte sich die PEST breit gemacht. Nachdem das erledigt war ging es nach Anholt rein, wo so früh in der Saison sogar längsseits festgemacht werden kann. Ich bin durch den anstrengenden Tag und den Motorärger erschöpft und beschließe den nächsten Tag, Sonntag 17. Mai, zum Aufklaren und Relaxen zu nutzen.
Zur DIESELPEST! Meine Diagnose lautet, dass durch die Schiffsbewegungen alle Sedimente oder auch an den Tankwänden haftende Rückstände sich gelöst haben und in der Schwebe sind, und wenn der Motor dann gestartet wird, angesaugt werden. Der Entschluss steht fest: bei nächster Gelegenheit wird der komplette Diesel abgesaugt und entsorgt.
Anholt ist eine sehr schöne Insel, auch ohne den Wal Timmy, der ungefähr zu der Zeit dort strandete, als ich da war. Im Osten ist es sehr sandig, wüstenähnlich. Der Westen ist höher und ordentlich bewaldet. Schön zu spazieren. Das eigentliche Dorf mit Markt (Brugsen) ist etwas vom Hafen entfernt. Die Strände sind karibisch, wenn man die Temperaturen nicht berücksichtigt. In der Mitte zwischen Dänemark und Schweden gelegen immer ein lohnendes Ziel im Kattegat.
Montag 18. Mai geht es wieder auf die schwedische Seite nach Varberg. Ein unspektakulärer Törn von 37 sm, keine Motorprobleme und Hilfe beim Anlegen durch Jörg, den ich mit seiner Najad bereits auf Anholt kennenlernte. Da Varberg über Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten verfügt pumpe ich den 35l fassenden Dieseltank ab und entsorge den Diesel. Wie nicht anders zu erwarten, waren auch dort wieder Reste der DIESELPEST dabei. Die Besichtigung der Burg in Varberg lohnt sich.
Als Zwischenetappe nach Göteborg habe ich mir eine Ankerbucht gesucht und bin auf Landabukten gestoßen. Nordwärts gehend von Varberg kommend passiert man das Atomkraftwerk Ringhals und kann sich bis ins Innere der Bucht vortasten. Die Wassertiefen sind bei der Passage nördlich Ustö, Brattö, Nordsten Kidholm und Almö gut, man kann auch etwas abkürzen und südlich Knarrskär und Vendelsö fahren. Mir war das zu flach, ich hatte zu dem Zeitpunkt ja noch keine Erfahrung mit den Schären. Die Ankerbucht bei Espenäsudde ist erreichbar, auch wenn das Schild Ankerverbot erst irritiert. Das Ankerverbot bezieht sich auf die durch die Bucht verlegte Leitung, etwas nördlich davon unproblematisch. Man liegt bei SO gut geschützt.
Der nächste Schlag bringt „Søde Pige“ und mich dann nach Göteborg. Der achterliche SO schiebt uns die Küste hoch. Bereits aus sehr großer Entfernung ist das Hochhaus von Göteborg zu sehen. In der Einfahrt ab dem Turm Trubaduren gibt es dann mehr Verkehr und Großschifffahrt. Vor der Alvsborgbrücke sollen die Segel heruntergenommen werden, was einem Schild am Ufer entnommen werden kann. Hoch gehts unter Motor zum Stadthafen „Lilla Bommen“, der in der Nähe der Oper kurz vor der Brücke zum Götakanal liegt. Mitten in der Stadt. Laut, viele Menschen, ganz schmale Fingerstege zum Festmachen, Internet Platzbuchung nach der alle Plätze reserviert sind. Das stimmt aber nicht. Den Hafen kann ich nicht empfehlen. Ist wohl eher etwas für Partycrews die Großstadtfeeling wollen. Die erste Etappe ist damit durch,
Fortsetzung folgt.