Andre und Niclas sind mit der Running Deer auf ihrem Törn in die Karibik

von Peter

2020.08.07 Teil VIII Frankreich/Brest & Buchten

Unsere Fahrt von Saint-Malo nach Brest mit Zwischenstopp in einer kleinen Ankerbucht in Portsall verlief bei schwachem Wind aus wechselnden Richtungen und jede Menge Sonnenschein sehr ruhig. Für Aufregung sorgte lediglich die Einfahrt in Portsall, die wir am späten Abend bei Niedrigwasser antreten mussten. Die spitzen Felsen, die nur weniger Meter neben uns imposant aus dem Wasser ragten wiesen uns nachdrücklich darauf hin, was ein einziger Fehler in diesen Gewässern bedeuten kann. Aber unser Echolot, das die letzten Tage öfter Aussetzer hatte, war zur rechten Zeit zur Stelle und so konnten wir mit einem verbleibenden Meter Wasser unter dem Kiel einen traumhaft schönen Ankerplatz im kleinen Portsall finden. Von einem der größten Ölunfälle aller Zeiten, der Portsall gegen Ende der 70er-Jahre schwer getroffen hatte, war in dem beschaulichen Örtchen und im Watt davor nichts mehr zu sehen.

 

Nach einer entspannten Nacht vor Anker und einem kleinen Einkauf in Portsall ging es gegen Mittag weiter in Richtung Brest. Dort wartete unser neues Crewmitglied am Abend bereits mit einem französischen Essen vom aller feinsten. Wir schlemmten reichlich, entdeckten das örtliche Starkbier für uns und feierten auf dem Boot unsere neue Zusammensetzung. Am nächsten Morgen schafften wir es erst spät aus dem Bett, was einer legendären Shoppingtour in den diversen Secondhandläden in Brest nicht entgegenstand. In denselben deckten wir uns mit Hawaihemden ein, die uns in der Karibik sicher noch viele gute Dienste leisten werden! Am Abend waren wir zu einer Party bei einer Bekannten unserer Mitseglerin eingeladen. Perfekt gekleidet - Hawaihemden & Bermudashorts - konnten wir uns trotz einiger Sprachprobleme, die nach einer Flasche Cola-Rum überwunden waren, schnell integrieren. Seit langer Zeit hatten wir mal wieder eine richtig durchzechte Partynacht, die standesgemäß mit einem 5 Kilometer Fußmarsch im Lichte der aufgehenden Sonne zum Boot abgeschlossen wurde.

 

Nachdem wir die letzten Wochen ordentlich Meilen auf dem Wasser abgerissen hatten, entschieden wir nun mal wirklich etwas Urlaub zu machen und ein paar Tage länger in der zauberhaften Bretagne zu verweilen. Diese brachte derweil bereits alles mit, was wir uns von unserer Reise erhofft hatten! Mediterranes Ambiente, das Wetter der Südsee und der raue Nordsee/Atlantikwind sind eine Kombination die vergeblich ihres gleichen sucht. Auch wenn wir beim Angeln, trotz Aufrüstung des Equipments, weiter erfolglos blieben, konnten wir unseren ersten Delfin auf dieser Reise sehen. Ein wirklich majestätischer Anblick!

 

Wir entschlossen uns also die nächsten Tage ein paar Buchten in der Nähe von Brest anzulaufen und wenn der Wind es zuließ vielleicht sogar bis Lorient, der Heimat der absoluten Elite der Rennyachten in Europa, zu segeln. Dabei hatten wir wie so oft tausend Möglichkeiten und keine Chance eine falsche Entscheidung zu treffen. Dieses entspannte Gefühl gepaart mit einem Cola-Rum führte uns in eine kleine Bucht direkt bei Brest. Wir landeten mit unserem Schlauchboot an einem abgelegenen Strand und erforschten die dicht bewachsenen und mit Bunkern übersähten Klippen. Und das Leben bot uns wieder seine besten Facetten! Brombeeren am Wegesrand, eine Klettertour mit Seil zu einem versteckten Bunker und eine Apfelschlacht versüßten uns den Tag. Doch hatten wir bei all unserem Entdeckungsdrang der immer weiter zunehmende Brandung zu wenig Beachtung geschenkt. So mussten wir das Schlauchboot über spiegelglatte Steine ins Meer tragen und wurden dabei mehrfach von den tosenden Wellen, die sich ihren Strand von uns zurückholen wollten, zurückgeworfen. Zur Rettung des technischen Equipments blieb Niclas am Strand zurück und trat barfuß einen langen Fußweg durch die Wälder der Bretagne an, um am Sandstrand in der geschützter gelegenen Bucht wieder eingesammelt werden zu können. Aber sowohl Besatzung als auch Ausrüstung überstanden das Abenteuer mit kleineren Blessuren. Lediglich der Außenborder unseres Schlauchbootes läuft seit dem Manöver nicht mehr rund, ein weiter Punkt also für die Reparaturliste, dem André allerdings zuversichtlich gegenübersteht.

 

Zurück am Boot gab es das wohl bislang dekadenteste Essen der Tour - Grünkohl mit Bratkartoffeln! Am nächsten Tag ging es weiter zur nächsten Ankerbucht bei Morgat, ein Geheimtipp von unsern neuen französischen Freunden, die uns dort auch besuchen wollten. Bei dieser Fahrt bewies sich unsere Running Deer mal wieder als echte Rennziege und wir liefen bei voller Beseglung teilweise deutlich über 10 Knoten durch das spiegelglatte Wasser. Und auch die Bucht bei Morgat bot uns wieder einen traumhaften Ausblick und wir konnten uns für die überragende Hausparty vom vergangenen Samstag revanchieren. Nach Verabschiedung unserer beiden französischen Übernachtungsgäste brachen wir bei top Wind zu einem Segeltörn zur anderen Seite der Baie de Douranenez zum Namenpatron der Bucht, der kleinen Hafenstadt Douranenez auf.

 

Dort angekommen legten wir uns an eine Murringtonne und ruderten mit reiner Muskelkraft zur nebenliegenden Insel deren flachauslaufende Klippen uns perfekt zum ersten Grillabend auf dieser Reise erschienen! Unsere Vermutung bestätigte sich und wir verbrachten einen gemütlichen Abend direkt vor Douranenez. Am nachfolgenden Tag - wir vermuteten es sei ein Donnerstags, aber so genau wusste das keine mehr - fuhren wir in den Hafen von Douranenez, um nochmal einzukaufen und das kleine Örtchen zu erkunden. Auch hier gab es wieder etliches zu sehen und wir genossen die Zeit an Land mit französischem Starkbier. Gegen Mittag kamen uns erneut die Franzosen zum Grillen besuchen und wir verbrachten den Tag am Strand bevor es gegen Abend weiter Richtung Ile de Sein ging. Allerdings schlief der Wind ein und als André einen Schwarm von Möwen über der Bucht entdeckte, sah er die sichere Gelegenheit endlich einen Fisch zu fangen. Zwar blieben unsere Haken erneut unberührt, doch brachte uns dieser Abstecher einen der bislang magischsten Momente unserer Reise. Etliche Vögel und ein Schwarm Delfine hatten einen Fischschwarm entdeckt und kreisten nun von allen Seiten um unser Boot herum. Ein Naturerlebnis, das mit Worten zu beschreiben schlicht nicht möglich ist!

 

Aufgeregt von diesem ereignisreichen Tag entschieden wir uns einfach noch etwas in der windstillen Bucht treiben zu lassen und die Ile de Seine erst am nächsten Tag anzulaufen. Wir ließen uns noch bis in die Nacht durch die Bucht treiben und versuchten unser Glück zu fassen, Traum und Realität zu trennen und diesen wunderbaren Tag bis zur letzten Sekunde zu genießen.

 

In den nächsten Tagen werden wir weiter in Richtung Lorient segeln und am Montag nach Brest zurückkehren um uns für die Überquerung der berüchtigten Biskaya mit Andrés Bruder zu verstärken und noch einige kleine Reparaturen vorzunehmen.

 

Bis dahin hoffen wir, dass auch ihr zu Hause das wunderbare im Alltag entdecken könnt!

 

André und Niclas

2020.08.01 Teil VII Frankreich/Saint Malo

Nach dem ersten Tag in der Ankerbucht bei Cherbourg wollten wir eigentlich weiter in Richtung Brest segeln. Aber der Wind hatte wieder einmal andere Pläne für uns. Vorausgesagte 30-40 Knoten Wind gegen 6 Knoten Strom ließen eine sichere Ausfahrt aus unserem kleinen Paradies nicht möglich erscheinen. So verbrachten wir einen weiteren Tag vor Anker im kleinsten Hafen Frankreichs, Port Racine, und nutzten das schlechte Regenwetter, um einige Reparaturen wie insbesondere die Montage eines neuen Kompasses vorzunehmen. Abends klarte der Himmel auf und es ging auf eine weitere Entdeckungstour aufs Festland. Und auch diese bot wieder allerlei traumhafte Ausblicke von den felsigen Klippen der Normandie auf die Weiten von Meer und Land.

 

Am nächsten Tag war der Wind etwas schwächer vorhergesagt und wir wagten uns in aller Frühe aus dem schützenden Windschatten der Ankerbucht raus auf die hohe See, um die Strömungen für uns zu nutzen. Dabei unterschätzten wir jedoch bei Westwind den Kapeffekt am Cap de la Hague und gerieten nun doch in den Hexenkessel, den wir am Vortag noch erfolgreich gemieden hatten. So brach eine 3 Meter hohe und nur sehr kurze Welle immer wieder über uns herab und sorgte dafür, dass sich in der Küche nichts mehr an seinem Platz halten konnte. Aber es wäre ja einfach, wenn es bei der Küche geblieben wäre. Während die Wellen unsere gute Running Deer hin und her warfen, löste sich die Schraube vom Ruder - der denkbar ungünstigste Zeitpunkt um manövrierunfähig zu werden! Doch mit viel Fingerspitzengefühl und der nötigen Kraft konnte die Verkleidung des Steuerrads gelöst und die Schraube wieder festgezogen werden. Nach etwa einer Stunde konnten wir das Kap passieren und die See war uns nun wieder deutlich wohlgesonnener. Strom und Wind brachten uns im Rekordtempo die verbleibenden 65 Meilen bis Saint Malo. Dabei ließen wir die englischen Kanalinseln, in denen uns die Einreise leider coronabedingt verwehrt blieb, an Steuerbord liegen und konnten zumindest von See aus die Schönheit Jerseys erahnen. Diese in ihrer ganzen Pracht zu erleben, wird allerdings unserer Heimreise im nächsten Jahr vorbehalten bleiben!

 

In Saint Malo am späten Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein angekommen hängten wir rasch unsere noch vom Morgen durchnässten Kleider zum Trocknen auf, bevor wir uns an die Erkundung der Stadt machten. Und wieder einmal eröffnete sich für uns eine Welt voller Wunder. Saint Malo, eine Stadt mit langer Geschichte, die im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, aber originalgetreu wiedererrichtet wurde, war geprägt von mittelalterlichen Stadtmauern und traumhaften Steinhäusern zwischen denen sich enge Gassen und jede Menge Bars und Restaurants erstreckten. Über den Dächern der Stadt konnte man die unzähligen Buchten und Felsen, die Saint Malo zum größten Schiffsfriedhof des Ärmelkanals machen, bewundern. Und alles war belebt, die Menschen flanierten durch die Straßen, schlemmten in den Restaurants und lachten in den Bars. Ein das Herz wahrlich erquickender Anblick!

 

Wir durchstreiften die Straßen der Stadt noch bis in die Nacht, bevor wir nach dem langen Tag, an dem wir es vom kleinsten Hafen Frankreichs durch den Sturm bis zum größten Schiffsfriedhof des Ärmelkanals geschafft hatten, erschöpft, aber begeistert von den Eindrücken der letzten Stunden in unsere Kojen fielen. Am nächsten Morgen wurden wir wieder von der Sonne geweckt. Zunächst hieß es die letzten Anzeichen des Sturmes vom Vortag zu beseitigen, bevor wir uns um die Wäsche und den Einkauf kümmerten und eine Freundin aus Wilhelmshaven, die uns die nächsten Tage begleiten wird und sich in der Bretagne bestens auskennt, trafen.

 

Bei der Planung für die nächsten Tage waren wir uns einig, dass wir noch mehr von Saint Malo sehen wollten. Nach einem kurzen Blick auf den Wetterbericht wurde aber schnell klar, dass der Wind uns lieber auf dem Wasser haben wollte. Und da es uns bis hierhin gebracht und sich bisher noch keinen Irrtum erlaubt hatte, hörten wir auch dieses Mal wieder auf das Rauschen in unseren Ohren und brachen in Richtung Brest auf.

 

Dort werden wir hoffentlich bis Freitag ankommen und dann von einem weiteren Mitsegler verstärkt werden, um sodann mal etwas länger an ein paar Orten zu verweilen, bevor wir bei einem passenden Wetterfenster die Biskaya in Angriff nehmen werden!

 

Tipp für Besuche in Saint Malo: Probiert die lokale Spezialität Moules Frites!

2020.07.26 Teil VI Cherbourg/Frankreich

Mit gestärktem Selbstvertrauen, Funkzeugnis und aufgefüllten Bilgen sind wir am Dienstag in Middelburg mit Kurs auf Frankreich aufgebrochen. Plan war es dabei so viele Meilen wie möglich zu machen und dadurch einen guten Zeitpuffer für windarme Tage aufbauen zu können. Und unser Unterfangen war ein voller Erfolg!

 

Der Ärmelkanal verlangte uns zunächst großen Respekt ab, da er als eine der dichtest befahrenen Schifffahrtsrouten der Welt gilt und die Durchquerung auf einem kleinen Segelboot daher navigatorisch wie seglerisch höchst anspruchsvoll ist. Ein erster richtiger Test für Boot und Besatzung also! Umso besser war es, dass wir uns in Amsterdam mit Janschek, einem weiteren Topsegler verstärken konnten. Einmal aufgebrochen hatten wir riesiges Glück und andere Schiffe oder Fähren waren die ersten beiden Tage und Nächte genauso selten zu erspähen wie Wolken.

 

Wir richteten uns mit Campingstühlen und Sitzpolstern eine Vorschiff-Lounge ein, die als Sonnenterasse und Ausguck für die perfekte Abrundung des Mammuttörns sorgte. Die Nächte waren vom traumhaften Sternenhimmel hell beleuchtet und verliefen ruhig. Eine willkommene Abwechslung zu den Turbulenzen vor Rotterdam. Am dritten Tag verließ uns leider das Wetterglück und der Wind schlief ein als wir gerade Kurs auf Cherbourg in der französischen Normandie gesetzt hatten. Da ein anderer Hafen nicht wirklich näher lag und die Tide uns unerbitterlich zurückdrängte, blieb uns keine Wahl als für mehrere Stunden den Motor anzuwerfen. Ein Stich in unsere Seglerherzen, der aber bald vergessen war als 30 Meilen vor Cherbourg wieder steifer Nordwind aufkam und wir die letzten Meter der 250 Meilen Tour unter Segeln bewältigen konnten.

 

In Cherbourg angekommen machten wir uns an die Erkundung der Stadt. Diese war zum Ende des zweiten Weltkrieges eine der strategisch bedeutendsten Städte an den Küsten Frankreichs und wurde nach der Landung der Alliierten in der Normandie zeitweise zum größten Hafen der Welt. Wir erklammen die alte Festung über den Dächern der Stadt und besichtigten das dort gelegene Museum sowie die intakten Bunkeranlagen. Ein wahres Gänsehauterlebnis, das unseren Blick dafür schärfte wie unermesslich wichtig und wie wenig selbstverständlich ein vereintes, friedliches Europa ist, das uns derartige Reisen überhaupt erst ermöglicht!

 

Nach dem kulturellen Teil ging es wieder zur Tagesordnung über und die Kneipenstraßen von Cherbourg wurden unsicher gemacht. Dabei wurde aufgrund des ausgiebigen Bierkonsums schnell die Bezeichnung „The Germans“ geprägt. Am Samstag verließen uns die letzten verbliebenen Mitsegler, sodass wir nun erstmals nur mit der Stammcrew an Bord waren. Wir nutzten die Zeit um ein neues Funkgerät einzubauen und auch die von Korrosion gezeichneten Außenborder neu zu lackieren. Nach einer weiteren Nacht in den unzähligen Kneipen von Cherbourg in der wir seit langer Zeit mal wieder in einer richtigen Wohnung geschlafen haben wurde uns schnell klar, das wir unsere schöne Running Deer jederzeit einer Couch in Cherbourg vorziehen und wir dringend weiterfahren müssen. Gestärkt mit einem Katerfrühstück aus Creps und Kaffee wurden die Tanks wieder aufgefüllt und die Segel mit Kurs auf die nächste Ankerbucht gesetzt. Beim tanken kamen wir mit einem französischen Marineoffizier ins Gespräch, der sehr verblüfft davon war, dass wir mit unserem Boot aus Deutschland bis nach Cherbourg gesegelt sind. Und dabei ist dies erst der Anfang unserer Reise!

 

Nach einem schönen Tagestrip mit etwa 5 Windstärken haben wir den bisher schönsten Ort unserer Reise erreicht. Eine kleine Ankerbucht bei Port Racme die Frankreich von seiner wunderbarsten Seite zeigt. Traumhafte Berghänge an der Küste und jede Menge kleine uralte Ortschaften, die einen unvergleichlichen Charme entfalten. Dabei kam es auch zu einer Premiere! Zum ersten Mal auf unserer Tour konnte sich André zur Erkundung der Umgebung zum Joggen motivieren. Aber bei der wunderbaren Landschaft wurde eine sehr stabile Pace an den Tag gelegt. Nicht nur die Running Deer konnte sich an diesem Tag den Zusatz „Sport“ verdienen!

 

Abgerundet wurde dieser vollkommene Tag mit einer Bolognese ala André im Cockpit der Running Deer bei einer Aussicht für die manche viel Geld bezahlen würden, die uns aber keinen Cent kostet! Das Leben auf dem Boot packt uns immer mehr und lässt uns keine einzige Sekunde an unseren Entscheidungen zweifeln!

 

Leider blieb dieser nahezu perfekte Tag nicht ganz ohne Opfer. So verlor André bei dem frischen Westwind seine Mütze, die ihm sein Opa für die Tour geschenkt hatte. Zum Glück wurde kurz zuvor noch ein Bild mit Mann und Mütze gemacht und solange nur das Inventar über Bord geht, sind die Verluste verkraftbar!

 

Morgen soll es dann weiter in Richtung Jersey gehen, sofern die Einreise dort ohne Restriktionen möglich ist. Wir können es kaum erwarten!

 

André und Niclas

2020.07.21 Teil V Niederlande/Middelburg

Nach einem entspannten Sonntag in Amsterdam, der genutzt wurde, um die Lager wieder aufzufüllen und das Hafenleben zu genießen, ist die Running Deer mit 5 Mann/Frau Besatzung am frühen Abend Richtung Middelburg aufgebrochen. Bei der Überfahrt, die mit 15 Knoten Wind aus Nord top Verhältnisse geboten hat, konnte die Comanche 32 ihrem selbst verliehenem Zusatz „Sport“ vollständig gerecht werden. Die Nacht auf dem Wasser verlief bis zur Ansteuerung von Rotterdam ruhig und es konnten viele Meilen im Kielwasser zurückgelegt werden. Vor Rotterdam war trotz der späten Stunde reger Verkehr, sodass nach Kommunikation mit der Revierzentrale ein zusätzlicher Schlag gemacht werden musste, bevor das Fahrwasser unter Motorenunterstützung in einem nur sehr engen Zeitfenster zwischen den querenden Ozeanriesen rasch überquert werden konnte. Doch auch dieses Mal konnte David Goliath bezwingen und das Fahrwasser sicher kreuzen.

 

Gegen Mittag konnte aufgrund des weiterhin konstanten Windes bei bestem Wetter Vliessingen erreicht werden. Nach einer langwierigen Kanalfahrt sind wir nachmittags im mittelalterlichen Hafen von Middelburg angekommen. Dort ging es direkt weiter mit dem Funkzeugniskurs und sich unmittelbar anschließender Prüfung an Bord der Running Deer. Dank guter Vorbereitung auf dem Kanal mit Bier und Cola-Rum konnte der Kurs von uns beiden, teils mit 19 von 18 erforderlichen Punkten, souverän bestanden werden. Es stellte sich jedoch im Gespräch mit dem Prüfer heraus, dass wir ein neues Funkgerät anschaffen sollten. Ein weiterer Punkt auf der To-Do-Liste.

 

Zur Feier des Tages ging es abends noch in die traumhaft schöne Altstadt von Middelburg, die insbesondere von altertümlichen Bauten geprägt ist. Hier hätten wir gerne noch mehr Zeit verbracht, aber der Wind zieht uns weiter Richtung Frankreich. Nichtsdestotrotz können wir für Middelburg eine absolute Reiseempfehlung geben und werden ganz gewiss auch selber nochmal dorthin zurückkehren.

 

Am Dienstagmorgen geht es nun wieder mit Funkzeugnis in der Tasche durch den Kanal zurück Richtung offene See. Dort wollen wir erstmal ein paar Tage verbringen und weiter vorankommen. Im besten Fall gibt es den nächsten Bericht nach erfolgreicher Durchquerung des Ärmelkanals und Landung an den schönen Stränden Frankreichs. Bis dahin heißt es bei anhaltendem Sonnenschein weiter braun werden - eine hervorragende Vorbereitung auf unsere kommenden Reiseziele!

 

2020.07.17 Teil IV Niederlande/Amsterdam

Die letzten beiden Tagen haben uns in all unseren Plänen stark bestätigt! Bei traumhaften Wetter und perfektem Halb- und Vorwindkurs konnten wir die 80 Meilen von Vlieland bis Amsterdam mit Fahrt durchs IJsselmeer unter besten Bedingungen richtig genießen! Zunächst ging es noch ein Stück gegen den Strom bevor auch diese letzte Komponente uns in die Karten spielte. Derart motiviert entschieden wir uns kurzerhand zu einer weiteren Nachtfahrt, sodass wir nach 24 Stunden mit Zwischenstopp vor verschiedenen Schleusen Amsterdam am Freitagmorgen endlich erreichen konnten. Auch Segeltechnisch sind wir voll auf unsere Kosten gekommen. Vom Schmetterling bis zum Parasailer und ruhigen am Wind Kurs durch die Nacht konnten wir das volle Programm abspulen und uns weiter aufeinander einspielen! Auch unsere beiden Mitsegler waren dabei eine große Hilfe. Nicht zuletzt rundete eine perfekte Bolognese von Niclas Mutter den wunderbaren Segeltag ab!

 

In Amsterdam angekommen konnten wir es trotz nur 4 Stunden Schlaf in Schichten kaum erwarten, die Stadt zu erkunden! Dabei wurde uns von einem Freund hier der Albert Cuyp Markt empfohlen, ein Straßenmarkt, der allerlei Köstlich- und Sehenswürdigkeiten zu bieten hatte! Im Anschluss gab es eine Stadtführung von einer Amsterdamer Techno DJane, die auf deren Dachterasse mitten im Kern von Amsterdam beendet wurde. Mehr geht nicht! Zudem wurde das Boot geschrubbt und die Segel getrocknet, die noch von unserer Regenfahrt vor Helgoland zeugten. Morgen geht es einen weiteren Tag auf Entdeckungstour durch die Stadt bevor wir abends mit ein paar Freunden rausfahren und in einer abgelegenen Bucht einen kleine Party auf dem Boot feiern werden. Allein die richtigen Boxen dafür fehlen noch, aber dank der Nachschublinie aus Hooksiel, die auch noch weitere Ersatzteile mit nach Amsterdam bringen wird, sollte auch die richtige Beschallung noch sichergestellt werden können.

 

Am Sonntag soll es dann hoffentlich nicht allzu verkatert weiter gehen mit neu zusammengesetzter Besatzung Richtung Vliessingen an der niederländisch/belgischen Grenze, wo wir beiden mit leichter Verzögerung noch unser Funkzeugnis ablegen werden!

 

Bis dahin schicken wir hoch motivierte und sonnengebräunte Grüße in die Heimat

 

André und Niclas

2020.07.16 Teil III Niederlande/Vlieland

Nach 36 Stunden Fahrt von Helgoland aus Richtung Niederlande sind wir am Abend des 15.07. in Vlieland angekommen und haben einen kurzen Zwischenstopp eingelegt, bevor es heute weiter durch das IJsselmeer Richtung Amsterdam geht.

 

Endgültig deutsche Gewässer zu verlassen war ein super Gefühl und führte uns nochmal vor Augen, dass es jetzt wirklich losgeht! Die Überfahrt von Helgoland gestaltete sich bei schwachem Westwind als äußerst zäh, sodass wir lange kreuzen mussten ohne voranzukommen. Dazu kam immer wieder Regen, der die reichlich vorhandenen Bermudashorts weiter in die Schränke verbannte und uns vorerst in die Schwerwetterkluft zwang. Aber auch das wird sich noch ändern! Ein erster kleiner Test für unser Durchhaltevermögen, der aber auch dank der beiden weiteren Mitsegler souverän bestanden werden konnte und mit einem sonnigen Abend auf dem schönen Vlieland entlohnt wurde.

 

Vlieland war zwar nicht das Ziel unserer Wahl, aber auf jeden Fall eine top Entscheidung! Eine uns beiden bisher völlig unbekannte niederländische Insel direkt neben Texel. Und die hatte in der kurzen Zeit, in der wir dort waren, jede Menge Schönes zu bieten! Ein schneeweißer Strand, traumhafte Dünen, eine lebhafte Kneipenstraße und wundervolle Aussichtspunkte auf den Anhöhen. Vom joggen konnte André noch nicht überzeugt werden, aber auch das wird noch kommen.

 

Zudem ist auch die Reparaturliste weiter angewachsen, da der Tiefenmesser immer wieder stehen bleibt, die Bordtoillette etwas leckt und das aktive AIS-Signal kurz vor Helgoland stehen geblieben ist. Jede Menge Arbeiten, die es im weiteren Verlauf unserer Reise noch zu erledigen gilt, die uns aber keinesfalls aufhalten werden oder zurückwerfen!

 

Am Morgen des 16.07. geht es nun also weiter Richtung Amsterdam. Die Windvorhersage hat sich deutlich verbessert und wir hoffen unsere Reisegeschwindigkeit weiter erhöhen zu können. Den nächsten Bericht gibt es dann hoffentlich von dort aus. Bis dahin ein munteres Ahoi André & Niclas

2020.07.13 Teil II Was ist Mut

Was ist Mut?

Wenn wir von unseren Reiseplänen berichtet haben, war die Reaktion oft uns besonderen Mut nachzusagen. Die letzten Tage während der finalen Vorbereitung haben wir viel darüber nachgedacht, ob es „mutig“ ist, den geregelten Alltag, das warme Bett und unsere Freunde und Familien zu verlassen, um ein Jahr lang nur von Tag zu Tag oder Woche zu Woche zu planen, auch mal kalte Nächte auf dem Meer zu verbringen und all die Menschen, die uns so wichtig sind, erstmal nicht wiederzusehen.

 

Die Antwort auf die eingangs aufgeworfene Frage, fällt uns seit der Abreise gestern überraschend  leicht. Mut ist das überschreiten der eigenen Grenzen zugunsten anderer. Unsere Reise in die Karibik ist daher sehr egoistisch, keinesfalls im negativen Sinne, aber dennoch unternehmen wir diese Reise nur für uns und nicht für andere. Mutig sind all diejenigen Menschen, die uns gehen gelassen haben und nun vielleicht die ein oder andere Nacht etwas schlechter schlafen werden, damit wir unseren Traum leben können. Wir sind beide super überwältigt und dankbar für den wunderbaren Abschied, den ihr uns gestern bereitet habt!

 

Der erste Törn von Hooksiel nach Helgoland hat der mit 6 Mann/Frau vollbesetzten Running Deer traumhaftes Wetter mit 3-4 Windstärken aus Nordwest geboten, sodass Helgoland gegen halb 2 Uhr nachts erreicht werden konnte. Und bereits der erste Sonnenuntergang auf hoher See konnte für die vielen Strapazen der letzten Monate hervorragend entschädigen! Auf Helgoland angekommen wurden die Lager nochmal aufgefüllt und kleinere Ausbesserungen zur Verstärkung des Geräteträgers vorgenommen. Nun werden uns die ersten beiden Mitsegler verlassen bevor es weiter Richtung Amsterdam geht. Die Windverhältnisse sind dafür zwar nicht wirklich rosig vorhergesagt, aber für den Anfang unserer Reise gilt erstmal das Motto „Meilen machen“ oder wie André sagen würde „Immer ballern“, jedenfalls wird auch schlechtes Wetter uns nicht entmutigen! Wir werden berichten!

 

 

2020.07.08 Teil I Start

Moin Moin,
wir werden diese Woche zu einer einjährigen Reise inklusive Atlantiküberquerung mit unserem Katamaran in die Karibik aufbrechen und wollen euch mit diesem Blog auf dem Laufenden halten!
Wir, das sind André aus Hooksiel und Niclas aus Münster, planen die Tour schon seit vier Jahren und sind super froh, dass es jetzt endlich losgeht. :)
Angefangen hat das ganze an Silvester 2015, als wir nach einer Flasche Rum zu viel die Idee hatten, ein ganzes Jahr lang zu segeln. Ein Traum war geboren. Seitdem hat Niclas sein Jurastudium abgeschlossen und André ohne Ende Stunden abgerissen, um unsere Running Deer, ein 32 Fuß Katamaran, den wir 2018 gekauft haben, seeklar zu machen. Dabei stand die Reise mehr als einmal auf der Kippe. Nach harten Verhandlungen mit den Voreignern konnten wir unser Wunschboot mit den letzten Reserven und Unterstützung von der Familie erwerben.
Aber die Mühe hat sich gelohnt, denn die gute Running Deer, Typ Comanche 32 Sport der Werft Sailcraft, hat unsere Traumreise bereits einmal hinter sich und ist somit bestens für unsere Pläne geeignet.
Dann, im Sommer 2019, haben die fast 30 Jahre alten Motoren leider zu früh aber verdientermaßen ihren Geist aufgegeben und wir standen vor dem Riesenprojekt, neue Motoren einzubauen. Innenborder waren dabei wegen der immensen Kosten keine realistische Option. Aber André, seines Zeichens Schiffsmechaniker beim WSA, hatte den rettenden Einfall, die Running Deer mit neuen Hufen zu beschlagen und auf Außenborder umzurüsten. So haben wir beiden den ersten Urlaub nach Niclas’ Juraexamen bei bestem Wetter in den dunklen Bilgen und letzten Ecken unseres Katamarans verbracht und in drei Wochen die Herkulesaufgabe vollbracht, alles wieder auf Vordermann zu bringen.
Die Motoren waren jedoch leider nicht die einzigen Teile, denen man die vielen Seemeilen, die die tapfere Running Deer bereits auf dem Buckel hat, anmerken konnte. So musste ein neuer Geräteträger samt Solarpanelen installiert, neue Segel angeschafft, alles poliert und gestrichen sowie diverse technische Ausrüstung nachgerüstet werden. Alles Arbeiten, die nun mit einem Jahr Sonne entlohnt werden sollten!
Unserer Reise stand nur noch ein halbes Jahr Arbeit und sparen bevor, damit wir endlich aufbrechen konnten. Dabei hat André bereits seit 2018 auf der Running Deer gewohnt, um Miete zu sparen und Niclas neben dem Examen noch in verschiedenen Kanzleien gearbeitet, damit der Traum endlich wahr werden konnte. Und wenn man denkt es kann nichts mehr schief gehen und man alle Eventualitäten bedacht hat, kommt eine Pandemie und droht die harte Arbeit der letzten Jahre zunichte zu machen.
Zum Glück und auch dank der umsichtigen und maßvollen Politik in Europa können wir beide unsere Tour nun doch endlich antreten und freuen uns auf die bevorstehenden Abenteuer, an denen wir gerne viele andere Menschen - auch über diesen Blog -  teilhaben lassen würden :)
Unser vorläufiger Abfahrttermin ist - sofern uns nicht Wind, Wetter, eine weitere Pandemie oder Poseidon selbst einen Strich durch die Rechnung machen sollten - Sonntag der 12.07. Wir werden zunächst mit voller Besatzung von 6 Mann/Frau nach Helgoland aufbrechen und von dort über Juist nach Amsterdam fahren. Weiter soll es dann über Belgien, Frankreich, Spanien und Portugal bis ins ferne Marokko gehen. Von dort aus wird die Running Deer uns bis zu den Kanaren und den Kap Verden tragen, bevor es Anfang Dezember zur Transatlantik in die Karibik gehen soll. An unserem Ziel angekommen, haben wir uns bestimmt etwas Urlaub verdient, bevor es über die Bermudas und die Azoren zurück Richtung Heimathafen in Hooksiel geht.
Falls die Pandemielage eine Reise außerhalb von Europa nicht zulassen sollte, ist unser Plan B ins Mittelmeer aufzubrechen. Und sofern auch das nicht möglich sein sollte, wird sich eine andere Lösung finden! Nur einses ist sicher: Wir werden dieses Jahr auf jeden Fall auf dem Wasser verbringen, Aufgeben war und ist zu keinem Zeitpunkt eine Option! Auf unserer Reise werden uns auf Teiletappen im Wechsel Freunde und Familie begleiten und auch sonst sind wir immer bereit, offene Menschen mit Spaß am segeln und Liebe zum Meer mitzunehmen! Meldet euch einfach, falls ihr mal Zeit und Lust habt, eine Zeit lang mit uns zu reisen.
Falls ihr euch vorstellen könnt, mit uns zu träumen, würden wir uns sehr freuen, wenn ihr diesen Blog weiter verfolgt! Wir werden zudem auch laufend über unseren Instagramkanal @sailingthedeer über unser Jahr auf den Weltmeeren berichten.
Ahoi und liebe Grüße
André & Niclas

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